Auf nach Haparanda

Nachdem wir unsere Ehefrauen winkend verabschieden müssen, haben wir den Hafen Fliskär kurz nach zwei verlassen, Das Wetter ist sonnig, der Wind bläst mit 4-5 bft aus Südwest, sodaß wir nach fünf Stunden in einem kleinen Hafen Axmar anlegen.

Morgens geht es weiter immer Richtung Norden. Super Segelbedingungen teils mit Blister, teils Vollzeug, mit 4 – 5 bft aus Südost und wir können am Abend um 8 Uhr nach stolz zurückgelegten 59 sm im Hafen in Stocka festmachen.
Das Wetter bleibt uns günstig, allerdings dreht der Wind auf Nordost aber immerhin mit 3 bft. Nach 20 Seemeilen zurückgelegter Strecke überfällt uns mal wieder eine dicke, fette Nebelwand und wir legen vorsichthalber einen Zwischenstopp in einem kleinen, nahegelegenen Hafen“ Lörrund “ ein. Nach zwei Stunden löst sich der Nebel auf und es geht natürlich weiter bis nach Harnösand. Wieder 51 sm.

SSC_0893
Harnösand ist ein wenig spannend, da wir in dem Ort zwei Klappbrücken passieren müssen. Diese Brücken öffnen aber nur zweimal täglich, nämlich vormittags und abends. Die Zeiten soll man nach Aussagen anderer Segler, darunter auch ein Deutscher telefonisch bei der Stadtverwaltung absprechen. Ich rufe frohgemut um viertel vor Zehn dort an, eine nette Frau meldet sich, ich erkläre ihr in englischer Sprache unsere Anfrage nach der Brückenöffnung und sie antwortet mir: ja die Brücke öffnet um halb zehn. Leicht verdattert sage ich ihr, es ist aber viertel vor Zehn. Darauf hin antwortet sie ganz freundlich, dann eben heute abend um halb neun, oder morgen früh um halb zehn, lässt sich sogar meine Telefonnummer geben, für den Fall, das sie noch Fragen hat. Harald sagt zu mir, heute abend halb neun UIhr geht gar nicht. In dem Moment legt ein Finne mit seinem Motorboot ab und fährt Richtung erster Brücke. Die Höhe seines Motorbootes sieht nicht so aus,als daß er unter einer Brücke durchfahren kann. Harald und ich legen einen Superschnellstart beim Ablegen hin, weil wir uns an den Finnen dranhängen wollen. Und tatsächlich kommt uns ein Segelboot entgegen, wir sehen die Brücke geöffnet, geben Gas und fahren mit dem Finnen durch. Aber da ist ja noch die zweite Brücke, die höher ist und unter der der Motorbootfahrer ohne dass sie geöffnet werden muss durchfährt. Doch man muss auch mal Glück haben. Der Brückenwärter der ersten Brücke hat natürlich gesehen, dass wir mit einem Segelboot mit Mast nicht durch die zweite Brücke fahren können. Nach einer kurzen Wartezeit kommt er mit einem Fahrrad angefahren und öffnete für uns die Brücke. Wunderbar für uns, wir hätte sonst einen Tag verloren. Wir legen nochmals kurz in einem Segelhafen gleich hinter der Brücke an, dort ist in unmittelbarer Nähe ein Lidl, dort bunkern wir Lebensmittel und Getränke, fahren dann weiter, teils wieder mit schlechter Sicht und kommen abends im Gästehafen Böhnhamns nach 25sm an.
Jetzt mal ein kurzer Abschnitt zum Thema Schweden und unfreundliche Hafenmeister oder unfreundliche Segler, wie man von einigen anderen Ostseerund Seglern schon mal gehört hat. Man ist uns in bisher allen von uns besuchten Häfen oder Orten „sehr freundlich und hilfsbereit“ entgegengekommen. Die Verständigung ist super, jeder spricht englisch. Wir haben nur gute Erfahrungen sammeln können und das ändert sich ( um das vorauszunehmen nicht bis Haparanda ).


Von Bönhamns geht es morgens um viertel vor Sieben weiter mit anfangs kaum Wind aber endlich nach einer Stunde gehen die Segel hoch und ab geht die Sause. Zwischendurch müssen mal durch Kurswechsel auch die Segel gewechsel werden aber um 21:00 Uhr machen wir in Uema im Yachthafen Patholsviken fest und haben sage und schreibe 82 sm hinter uns gelegt. Und wir haben die 1500 geknackt, wir haben jetzt nämlich als zurückgelegte Gesamtstrecke 1565 sm . Wow.
Die nächsten beiden Tage müssen wir im Hafen liegenbleiben, der Grund ist sehr schlechtes Wetter, Regen und Sturm.
Am 04.07. geht es morgens weiter. Die See hat sich beruhigt, aber leider kein Wind also motoren. Da die Wind und Wettervorhersagen für die nächsten Tage nicht so gut sind legen wir ein motoren Tag ein und kommen nach fünfzehneinhalb Stunden und mal wieder zurückgelegten 82 sm im Yachthafen Korrviken an. Auch der nächste Tag wird mal wieder ein Hafentag, Wind mit 5-7 genau von vorn, also keine Chance.
Wir wollen aber am 06.07. weiter, trotz rauher See, viel Regen und viel Wind. Zwischendurch muss auch mal im Großsegel ein Reff eingebunden werden. Nachmittags besserte sich das Wetter, unser Ziel ist ein Hafen in Pitea. Dort soll man laut Internet deutsche Gasflaschen, wir haben zwei fünf Kilo Flaschen an Bord auffüllen lassen können. Die Station angeblich nicht weit vom Hafen. Wir laufen am späten nachmittag in Pitea ein, sehen schon den kleinen Hafen, komischer Weise liegen dort nur Motorboote und plötzlich sagt Harald ganz laut und überzeugt „Scheiße, das glaub ich nicht“. Da überspannt nämlich ein Stromkabel, Höhe 10 m die Zufahrt zum Hafen. Im kurzen Moment wutentbrannt, müssen wir wenden. Harald sagt, das steht nicht in dem Hafenguiden und in der elektronischen Seekarte ist es nur schlecht zu erkennen. Nun gut, es ist so wie es ist, wir müssen ein Stück zurück und laufen den nächsten kleinen Gästehafen Renöhamn an. Immerhin, 62 sm.
Der kommende Tag wird wieder ein Hafentag, Harald fährt tatsächlich den Weg bis Pitea, 12 km mit dem Fahrrad und einer leeren Gasflasche, kehrt aber glücklich mit einer vollen Flasche zurück. Der Ort Pitea ist wirklich einer der wenigen Schwedischen Orte, in dem man deutsche Gasflaschen füllen lassen kann. Die haben sogar einen entsprechenden Adapter. Die Adresse findet man im Internet, können wir nur empfehlen.
Immer weiter. Es geht Richtung Lulea. Dort wollen wir tanken und mal wieder Lebensmittel bunkern. Es lässt sich wunderbar segeln. Wir kommen mittags in Lulea an. Im Yachthafen kann man tanken und 200m entfernt ist ein Supermarkt nämlich Willyˋs. Dort kaufen wir alles was wir benötigen, der Grund ist, wir sind bald in Finnland und dort ist alles noch teurer.

Es geht noch weiter ca 8 sm nordwestlich liegt ein kleiner Hafen mit dem Namen Lövkarst, genau auf unserer Strecke nach Haparanda.

Heute ist der 09. Juli und wir wollen den letzten Abschnitt, das nördlichste Ziel eines Ostsee Seglers erreichen Der Wind ist die ersten Seemeilen sehr gut, sowohl Richtung als auch Stärke stimmt, aber nach der Hälfte der Strecke von ca 45 sm muss ab und zu unser Aussenborder die Segel leicht unterstützen.
Um zwanzig Uhr ist unser Ziel tatsächlich erreicht, und wir zwei sind auch tatsächlich ganz schön stolz.

Die bisher zurückgelegte Strecke beträgt mit Umwegen über die Arlands insgesamt 1788 Seemeilen.
Übrigens, von mir stammt nur der Text, Harald fügt die dazu passenden Bilder ein. Sowas nennt man Arbeitsteilung.
LG
Norbert

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Eine Antwort zu Auf nach Haparanda

  1. Wolfgang schreibt:

    Was macht Ihr eigentlich, wenn Ihr wieder zurück seid? Geht das überhaupt so ganz ohne Resozialisierung?
    Viele Grüße aus dem Büro!
    Guido und Wolfgang

    Gefällt mir

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