Goeta Kanal

 

 

Arne und Timo sind gestern nachmittags zugestiegen. Bei strahlender Sonne konnten wir beide herzlich begrüßen, eine Ortsbesichtigung fiel aus, beide hatten die Stadt vom Bahnhof aus kommend gesehen und hatten keinen Bedarf, sie nochmals anzuschauen. Also wieder Hafen Kino, war auch schön, außerdem hatten sie genug von zuhause zu berichten. Also ein sehr schöner Nachmittag mit viel Sonne.
Am 28.05. ging es morgens um 10:00 Uhr Richtung Göta Kanal mit einem Zwischenstopp wieder in Mariestadt. Da der Ort uns schon beim ersten Mal so gut gefallen hatte, wollten wir ihn Arne und Timo nicht vorenthalten. Es war mal wieder sehr schönes Segelwetter aber mit immer noch hackiger See. Trotzdem, Arne ließ sich das Ruder bis nach Mariestadt nicht abnehmen, wir kamen dort wohlgelaunt und zufrieden um 17:30 Uhr an. An dem Abend war zufällig ein Event mit amerikanischen Oldtimercars aus den 60iger Jahren. Aus allen Strassen kamen oder gingen ganz viele schöne als alte , supergepflegte Fahrzeuge, ob Limousine, Cabrio oder Pickup. Ein sehr schöner Anblick.
Nächsten morgen ging es Richtung Sjötorp, der Beginn des Gotha Kanals. Die Strecke war nicht mehr sehr weit zu fahren, aber das Wetter war mal ausnahmsweise nicht so schön, bedeutet Nieselregen mit 4 Windstärken aus Nord, also mal Wind zum kreuzen. Ging trotzdem wieder super voran, Timo wollte unbedingt steuern, also für mich nichts und für Harald wenig zu tun, auch mal schön. Wir kamen um viertel vor zwei im Gäste Hafen an, das Wetter wurde wieder schöner, sodass wir den Rest des Tages genossen, man konnte unter anderem die ersten beiden Schleusen von Land aus ansehen, um sich mental auf die nächsten Tage vorzubereiten. Immerhin sind es gesamt 58 Schleusen. Für alle, die diesen Göta Kanal, Länge 190 km nicht kennen, mal eine kurze Beschreibung. Der Kanal muss von seinem Anfangspunkt „Mem“, Ostsee 0,0 m NN auf der östlichen Seite Schwedens bis zum Ausgangspunkt Sjötorp, Vänernsee, 43,8m NN Schwedenmitte einen Höhenstand von insgesamt 91,8 m überwinden, dazwischen liegen einige Seen, die besegelt werden können, der höchstgelegene ist der Vikensee. Zur Überwindung der Höhen haben die Schweden diesen Kanal mit 58 Schleusen in Handarbeit ca. 1800 erbauen lassen. Dazu hat der damalige König 58000 Soldaten eingesetzt. Der Grund war, für die Schiffahrt eine kürzere Verbindung zwischen Stockholm und Göteborg herzustellen. Heute ist der Kanal das größte kulturhistorische Bauwerk Schwedens. Nun gut, von Sjötorp ging es dann am nächsten Morgen pünktlich um 9:00 Uhr (Anweisung der Schleusen guides) los.
30. Mai beginnt die erste Kanal Etappe mit 19 Schleusen auf einer Länge von 19 km. Wir hatten sehr schönes Wetter, viel Sonne, Temparaturen lagen bei 20 bis 25 Grad. Bei der ersten Schleuse wurde uns von den Guides geholfen, welche Länge der Leine von vorn über die Winsch nach hinten zurück, wie die Fender angebracht werden sollten, auf welcher Höhe das Fenderbrett angebracht weden sollte usw. . Nach der zweiten Schleuse hatten wir den Dreh raus, Timo und Arne sprangen an Land, führten von dort aus die Leinen, alles klappte ohne Probleme. Die Guides begleiteten uns von Schleuse zu Schleuse längs des Kanals mit Autos, sodass immer frühzeitig alle Schleusen besetzt waren und bedient wurden. Dazu gehörten natürlich auch entsprchend die Brücken. Die Kanalstrecke zeichnet sich durch wunderschöne, am Ufer liegende Wohnhäuser, nette kleine Orte aus, was sich aber während der gesamten Strecke nicht ändert. Leider aber, wie vorher auch schon berichtet, kaum Bewohner oder überhaupt wenig Bevölkerung. Dazu spar ich mir mal meine Meinung. Wir kamen in  Töreboda um 16:00 Uhr an, haben nach dem üblichen Einlaufbier gegrillt und uber den schönen Tag gefreut.


Morgens um 8:55 Uhr ging es wie am Tag vorher bei strahlendem Sonnenschein los, wieder sehr schöne Streckenabschnitte, teilweise sehr sehr eng an Stellen, wo der Kanal aus dem Fels gesprengt werden musste. Beim Schleusen wurden die Boote eingeteilt, wir hatten das Glück, mit einem großen Motorboot zusammen zu schleusen, die Eigner waren total freundlich und stressbefreit. Wir fuhren dann weiter über den Vikensee zum Ziel Karlsborg Gästehafen. Auch hier wie überall: nix los. Aber ich jetzt auch schon auf damit, hab schon oft genug davon berichtet.
Ab Karlsborg ca. 10:00 Uhr Richtung Motola über den Vätternsee.  Endlich mal wieder schönes Segelwetter, allerding verließ uns nach der Hälfte der Strecke der Wind, also mal wieder motoren. Ab Motola ging es dann durch etliche Brücken und einige Schleusen und den Borensee bis zum Zielhafen Borensberg. Hier mal zwischendurch eine kleine Episode, die sich dann aber am nächsten Tag fortsetzt. Ab Motola sollte es nach Ansage der Guides genau 16:00 durch zwei Brücken, davon eine Eisenbahnbrücke weitergehen mit weiter folgenden Brücken und Schleusen. Alle Boote lagen also abfahrbereit so ca viertel vor vier vor der ersten Brücke. Davon ein besonders auffälliges Segelboot, eine nagelneue Hallberg Rassey 40ft. An Bord vier fröhliche ältere Herren, die das Boot wohl von der Werft abgeholt hatten und sich auf dem Weg Richtung Stockholm befanden. Auffällig war bei den vier freundlichen Herren, das fing schon in Sjötorp so an, sie drängelten sich beim Schleusen oder bei Brückenpassagen immer auf die Pole Position, also an die erste Stelle. Bei den Kanalfahrten immer: Hebel auf den Tisch, je schneller umso besser. Die Höchstgeschwindigkeit im Kanal ist 5 ktn. Aber egal, wer hat, der hat und wer kann, der kann. In Motola, 10 min vor der ersten Brückenpassage fuhren die vier plötzlich zurück in der Hafen und waren eine ganze Zeit nicht mehr gesehen. Wir und alle anderen fuhren natürlich die Brückenpassagen und mussten dann vor der letzten Schleuse vorm Zielhafen Borensberg warten. Es hieß, die Hallberg Rassey hebe vergessen zu tanken und kämen etwas später. Als sie dann endlich ankamen gab es Applaus von allen anderen Bootsbesitzern. 19:15 kamen wir in Borensberg an, haben wieder gegrillt und einen schönen Sonnenuntergang genossen.


Nächsten Morgen am 02.06. ging es weiter von Borensberg Richtung Norsholm. Ein ganzes Stück Kanalfahrt bis Ljungsbro danach wieder etliche Schleusen unter anderen die Schleusentreppe Carl Johan mit 7 Abwärtsschleusen. Hier setzt sich die Episode von gestern fort. „Die Hallberg Rassey“. Die Boote waren wieder eingeteilt worden, wir wieder als letzter Part mit dem Motorschiff, zwei Schleusen vor uns eine kleinere Segelyacht und die Hallberg …. Beim Schleusen von Packs liegt immer eine leere Schleuse dazwischen, da die unter Schleuse von der oberen mit Wasser gefüllt wird. Wir lagen in unserer Schleuse und warteten, bis plötzlich zwei Schleusen vor ein lautes Gerummse und ein wildes Gebrüll zu hören war. Die stolze Hallberg neigte sich zuerst stark nach Steuerbord, richtete sich wieder auf, neigte sich anschließend nach Bachbord, das Ganze wohl dreimal. Wir konnten nur staunen. Es stellt sich hinterher heraus, der Skipper hatte nichts falsch gemacht, die Guides hatten die Yacht einfach sogut wie trockengelegt, sodass das Boot mit dem Rumpf auf dem Schleusenboden aufkam, naja und Physik ist halt Physik und Schwerkraft ist eben Schwerkraft. Wir mussten in unserer Schleuse eine halbe Stund warten, wurden ein Stück abgeschleust, ein Stück aufgeschleust, bis sich der Wasserstand in der vorvor Schleuse wieder ausgeglichen hatte. Es ging weiter. Die gekrängte Yacht lag unten in Schleusenvorhafen und wurde begutachtet. Schätze mal, ein Fall für die Versicherung. In Norsholm kamen wir leider erst um 21:00 Uhr an, aber ein sehr Erlebnisreicher Tag.
Ab Norsholm begann die letzte Kanalfahrtstrecke und endete in Mem mit dem Übergang vom Götakanal in die Ostsee. Wieder sehr schöne Eindrücke, aber nicht spektakulär. Den Götakanal mit seinen Seen zu genießen brauchte man mehr Zeit.

Bis demnächst
LG Norbert

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Eine Antwort zu Goeta Kanal

  1. Benno und Susanne schreibt:

    Huhu ihr 2, nach unseren Erfahrungen geht es in Schweden eine Woche nach Midsommer los. Dann kommen sie mit den Booten von überall her und due Häf er sind voll.lg und vor Spaß,
    Benno und Susanne

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